Bevor aus einem Stamm ein Schneidebrett, Möbelstück oder anderes Werkstück aus Massivholz entstehen kann, muss das Material vorbereitet werden. Einer der wichtigsten Faktoren dabei ist die Holzfeuchte.
Frisch aufgesägtes Holz enthält deutlich mehr Feuchtigkeit als Holz, das später in einer beheizten Wohnung oder Küche eingesetzt wird. Wird dieser Unterschied bei der Verarbeitung nicht berücksichtigt, können sich später Maßänderungen, Spannungen oder Verformungen stärker bemerkbar machen.
Doch was bedeutet Holzfeuchte eigentlich? Wie wird sie angegeben? Warum muss Holz trocknen – und was hat die Luftfeuchtigkeit in deiner Küche später damit zu tun?
Was versteht man unter Holzfeuchte?
Die Holzfeuchte beschreibt den Wasseranteil im Holz bezogen auf die Masse des vollständig getrockneten Holzes.
Sie wird üblicherweise in Prozent angegeben.
Dabei ist wichtig zu verstehen: Holzfeuchte ist nicht dasselbe wie Luftfeuchtigkeit.
Die Luftfeuchtigkeit beschreibt die Feuchtigkeit der umgebenden Luft. Die Holzfeuchte beschreibt dagegen den Feuchtezustand des Holzes selbst.
Kurz erklärt
Die Luft beeinflusst das Holz. Deshalb kann sich die Holzfeuchte mit der Zeit verändern, wenn sich die klimatischen Bedingungen der Umgebung ändern.
Wie sieht Holz aus, bevor es verarbeitet wird?
Bevor Holz in unserer Werkstatt zu einem fertigen Produkt werden kann, steht zunächst das Rohmaterial.
Bei besonderen Hölzern kann das tatsächlich beim ganzen Stamm beginnen.
Nach dem Aufsägen wird sichtbar, was später tatsächlich verarbeitet werden kann: Farbe, Maserung, Wuchs und mögliche Besonderheiten des Holzes.
Gleichzeitig beginnt damit ein wichtiger Abschnitt bei der Vorbereitung des Materials: das Trocknen.
Wie aus einem Stamm ein Schneidebrett wird erfährst du hier.
Warum kann frisch aufgesägtes Holz nicht einfach sofort verarbeitet werden?
Frisches Holz besitzt einen Feuchtezustand, der deutlich von den Bedingungen abweichen kann, denen ein späteres Werkstück ausgesetzt ist.
Würde daraus ohne geeignete Vorbereitung direkt ein maßhaltiges Produkt gefertigt, würde sich das Holz während der weiteren Trocknung noch verändern.
Dabei können sich seine Abmessungen ändern.
Wie sich die Abmessungen von Holz bei Feuchteänderungen verändern können, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Warum Holz arbeitet – Quellen und Schwinden einfach erklärt.
Wo befindet sich das Wasser im Holz?
Vereinfacht kann Wasser im Holz auf unterschiedliche Weise vorkommen.
Bei sehr feuchtem Holz befindet sich Wasser unter anderem in den Hohlräumen der Holzstruktur. Zusätzlich ist Wasser in beziehungsweise an den Zellwänden gebunden.
Während des Trocknens wird zunächst ein großer Teil des freien Wassers abgegeben.
Für die späteren Dimensionsänderungen des Holzes ist besonders der Bereich relevant, in dem sich die gebundene Feuchtigkeit der Zellwände verändert.
Was ist der Fasersättigungsbereich?
Beim Trocknen wird häufig vom Fasersättigungsbereich gesprochen.
Vereinfacht beschreibt er einen Feuchtebereich, oberhalb dessen zusätzlich vorhandenes Wasser die Abmessungen des Holzes vergleichsweise wenig beeinflusst.
Unterhalb dieses Bereichs führen Veränderungen der gebundenen Feuchtigkeit dagegen zum typischen Quellen beziehungsweise Schwinden des Holzes.
Der genaue Wert ist nicht bei jedem Holzstück und jeder Holzart identisch. Für das grundlegende Verständnis ist deshalb wichtiger, das Prinzip zu kennen als sich einen einzigen festen Prozentwert zu merken.
Was ist die Ausgleichsfeuchte von Holz?
Holz versucht langfristig, sich an die klimatischen Bedingungen seiner Umgebung anzupassen.
Bleiben Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit ausreichend lange konstant, nähert sich das Holz einem Feuchtezustand an, bei dem es im Mittel weder weiter Feuchtigkeit aufnimmt noch abgibt.
Diesen Zustand bezeichnet man als Gleichgewichtsfeuchte beziehungsweise Ausgleichsfeuchte.
Warum ist das wichtig?
Ein fertiges Massivholzprodukt sollte möglichst nicht in einem Feuchtezustand verarbeitet werden, der stark von den späteren Einsatzbedingungen abweicht. Sonst können nach der Fertigung größere Feuchte- und damit Maßänderungen folgen.
Was beeinflusst die Ausgleichsfeuchte?
Vor allem zwei Faktoren der Umgebung spielen eine Rolle:
- relative Luftfeuchtigkeit
- Temperatur
Steigt die relative Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum, kann Holz mehr Feuchtigkeit aufnehmen.
Sinkt sie, kann das Holz wieder Feuchtigkeit an die Umgebung abgeben.
Genau deshalb verändert sich Massivholz auch nach der Verarbeitung weiter.
Warum wird Holz langsam und kontrolliert getrocknet?
Beim Trocknen verändert sich die Feuchtigkeit nicht überall im Holz gleichzeitig.
Die äußeren Bereiche können Feuchtigkeit schneller an die Umgebung abgeben als das Innere eines dicken Holzstücks.
Dadurch können Feuchteunterschiede innerhalb des Materials entstehen.
Eine kontrollierte Trocknung soll deshalb nicht nur einen niedrigeren Feuchtegehalt erreichen, sondern das Material möglichst so vorbereiten, dass es anschließend sinnvoll weiterverarbeitet werden kann.
Warum werden Bohlen mit Abstand zueinander gelagert?
Beim Trocknen von aufgesägtem Holz spielt die Luftzirkulation eine wichtige Rolle.
Werden Bohlen als Block gelagert, werden sie deshalb typischerweise so gestapelt, dass Luft zwischen den einzelnen Lagen zirkulieren kann.
Wie das Holz im Detail getrocknet und gelagert wird, hängt unter anderem von Holzart, Dimension und gewünschter weiterer Verwendung ab.
Wie wird Holzfeuchte gemessen?
In der Praxis gibt es unterschiedliche Verfahren zur Bestimmung der Holzfeuchte.
Elektrische Feuchtemessgeräte
In Werkstatt und Holzhandel werden häufig elektrische Messgeräte verwendet.
Je nach Gerät und Messprinzip lässt sich damit die Holzfeuchte beziehungsweise ein Näherungswert schnell überprüfen.
Wichtig ist dabei, das verwendete Gerät korrekt einzusetzen und mögliche Einflüsse wie Holzart, Temperatur und Messbereich zu berücksichtigen.
Darrmethode
Eine grundlegend andere Methode arbeitet über die Masse des Holzes vor und nach vollständiger Trocknung einer Probe.
Dabei lässt sich die Holzfeuchte aus der Differenz zwischen feuchter und trockener Masse bestimmen.
Für die tägliche Werkstattkontrolle ist dieses Verfahren wesentlich aufwendiger als eine elektrische Messung.
Warum reicht eine einzige Messung nicht immer aus?
Ein Stück Holz kann innerhalb seines Querschnitts unterschiedliche Feuchtezustände besitzen.
Insbesondere bei dickeren Bohlen kann die Oberfläche bereits trockener sein, während im Inneren noch mehr Feuchtigkeit vorhanden ist.
Auch deshalb sollte ein einzelner Messwert nicht losgelöst von Material, Dimension, Lagerung und Messverfahren betrachtet werden.
Welche Holzfeuchte braucht ein Schneidebrett?
Eine pauschale Zahl für jedes Schneidebrett wäre zu einfach.
Entscheidend ist, dass das verwendete Holz für die geplante Verarbeitung und die späteren Einsatzbedingungen geeignet vorbereitet wurde.
Ein Schneidebrett wird üblicherweise in Innenräumen genutzt und ist dort wechselnden klimatischen Bedingungen ausgesetzt.
Die Holzfeuchte vor der Verarbeitung sollte deshalb zum geplanten Einsatz passen und nicht nur deshalb gewählt werden, weil ein bestimmter Prozentwert allgemein als „trocken“ bezeichnet wird.
Was passiert, wenn Holz zu feucht verarbeitet wird?
Verliert ein bereits verarbeitetes Werkstück anschließend noch deutlich Feuchtigkeit, kann es weiter schwinden.
Je nach Konstruktion können dadurch beispielsweise:
- Maßänderungen,
- Spannungen,
- Verformungen
- oder Risse
begünstigt werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Riss automatisch ausschließlich durch eine falsche Holzfeuchte entstanden ist. Holzart, Wuchs, Konstruktion, Verarbeitung und spätere Bedingungen müssen gemeinsam betrachtet werden.
Kann Holz auch zu trocken sein?
Auch diese Frage muss im Verhältnis zum späteren Einsatz betrachtet werden.
Wird sehr trockenes Holz anschließend dauerhaft einer deutlich höheren Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, kann es wieder Feuchtigkeit aufnehmen und quellen.
Das Ziel beim Holzhandwerk lautet deshalb nicht einfach: „So trocken wie irgendwie möglich.“
Das Material sollte vielmehr sinnvoll auf Verarbeitung und spätere Nutzung vorbereitet werden.
Warum verändert sich die Holzfeuchte auch beim fertigen Schneidebrett?
Mit dem Abschluss der Fertigung endet der Feuchtigkeitsaustausch des Holzes nicht.
Ein Schneidebrett reagiert weiterhin auf seine Umgebung.
Dazu gehören beispielsweise:
- jahreszeitliche Veränderungen der Raumluft,
- trockene Heizungsluft,
- höhere Luftfeuchtigkeit,
- und vor allem der direkte Kontakt mit Wasser bei der Reinigung.
Deshalb spielt der richtige Umgang mit dem fertigen Produkt weiterhin eine Rolle.
Warum sollte ein Holz-Schneidebrett nicht im Wasser liegen?
Beim normalen Reinigen kommt ein Schneidebrett selbstverständlich mit Wasser in Kontakt.
Problematisch ist vielmehr eine unnötig lange oder sehr ungleichmäßige Feuchtebelastung.
Liegt ein massives Holzbrett beispielsweise lange im gefüllten Spülbecken, kann deutlich mehr Wasser aufgenommen werden als bei einer kurzen Reinigung von Hand.
Deshalb lautet unsere Empfehlung:
Reinigen – abspülen – oberflächlich trocknen – anschließend luftig aufstellen.
Die ausführliche Anleitung findest du unter Holz-Schneidebrett richtig reinigen.
Auch die Bauweise kann beeinflussen, wie ein Brett auf der Arbeitsfläche steht und wie Luft an die Unterseite gelangt. Welche Unterschiede feste Füße dabei machen, erklären wir im Ratgeber Schneidebrett mit oder ohne Füße?.
Schützt Öl das Holz vollständig vor Feuchtigkeit?
Nein.
Eine geeignete Oberflächenbehandlung kann beeinflussen, wie schnell Feuchtigkeit an der Oberfläche aufgenommen oder abgegeben wird.
Sie macht ein massives Holzbrett jedoch nicht vollständig unabhängig von Feuchtigkeit.
Auch ein gepflegtes Brett sollte deshalb nicht eingeweicht oder in der Spülmaschine gereinigt werden.
Mehr dazu findest du unter Schneidebrett richtig ölen.
Warum ist Holzfeuchte für die Verleimung wichtig?
Bei verleimten Werkstücken treffen mehrere Holzstücke dauerhaft aufeinander.
Dabei ist es wichtig, dass das Material vor der Verbindung sinnvoll vorbereitet wurde.
Wenn einzelne Bauteile später unterschiedlich starke Maßänderungen durchlaufen, können Spannungen in der Konstruktion entstehen.
Die Holzfeuchte ist deshalb ein Teil der Materialvorbereitung – neben präzisem Zuschnitt, Faserrichtung, geeigneter Konstruktion und sauberer Verleimung.
Genau dieses Thema behandeln wir als Nächstes im Beitrag „Holz richtig verleimen“.
Holzfeuchte und Holzart
Nicht jedes Holz reagiert exakt gleich.
Holzarten unterscheiden sich unter anderem bei Zellstruktur, Dichte sowie Quell- und Schwindverhalten.
Deshalb muss Massivholz immer als konkretes Material betrachtet werden und nicht nur unter der allgemeinen Bezeichnung „Holz“.
Mehr über Eiche, Esche, Ahorn, Nussbaum, Buche, Kirschbaum, Birnbaum und Apfelbaum findest du in unserem Holzarten-Bereich.
Holzfeuchte gehört zum Handwerk
Am fertigen Schneidebrett sieht man die frühere Holzfeuchte nicht.
Genau deshalb gehört sie zu den Arbeitsschritten, die leicht übersehen werden.
Ein sauberer Schliff oder eine schöne Maserung sind sofort sichtbar. Die Vorbereitung des Materials passiert dagegen lange vorher.
Für die Arbeit mit Massivholz ist sie trotzdem grundlegend.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst
- Holz enthält Feuchtigkeit.
- Frisches Holz besitzt einen anderen Feuchtezustand als Holz für Innenräume.
- Holz reagiert auf Temperatur und insbesondere relative Luftfeuchtigkeit.
- Es nähert sich langfristig einem Feuchtegleichgewicht mit seiner Umgebung.
- Unterhalb des Fasersättigungsbereichs führen Feuchteänderungen zu Quellen beziehungsweise Schwinden.
- Deshalb muss Holz vor der Verarbeitung passend vorbereitet werden.
- Auch ein fertiges Werkstück reagiert weiterhin auf seine Umgebung.
Mehr über Holz & Handwerk
Die Holzfeuchte ist nur ein Teil der Verarbeitung von Massivholz.
Im Bereich Holz & Handwerk erklären wir außerdem Holzarten, Faserrichtung, Verleimung, Schleifen und Oberflächenbehandlung.
Wenn du verstehen möchtest, warum Feuchteänderungen die Abmessungen von Holz beeinflussen, empfehlen wir dir als Ergänzung den Beitrag Warum Holz arbeitet – Quellen und Schwinden einfach erklärt.
Alle praktischen Anleitungen für dein Schneidebrett findest du außerdem im Bereich Pflege & Reparatur.
Häufige Fragen zur Holzfeuchte
Was bedeutet Holzfeuchte?
Die Holzfeuchte beschreibt die im Holz enthaltene Wassermenge bezogen auf die Masse des vollständig getrockneten Holzes. Sie wird üblicherweise in Prozent angegeben.
Warum muss Holz vor der Verarbeitung trocknen?
Frisches Holz kann einen deutlich höheren Feuchtegehalt besitzen als später im Gebrauch. Wird es für maßhaltige Werkstücke verwendet, muss berücksichtigt werden, dass weitere Feuchteänderungen auch Maßänderungen verursachen können.
Was ist die Ausgleichsfeuchte bei Holz?
Damit ist der Feuchtezustand gemeint, bei dem Holz unter konstanten klimatischen Bedingungen im Mittel weder weiter Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnimmt noch an sie abgibt.
Was beeinflusst die Holzfeuchte?
Bei Holz in Innenräumen sind insbesondere die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur der Umgebung relevant. Ändern sich diese Bedingungen längerfristig, kann sich auch die Holzfeuchte verändern.
Wie misst man Holzfeuchte?
In der Praxis werden häufig elektrische Holzfeuchtemessgeräte verwendet. Für eine genauere beziehungsweise grundlegende Bestimmung kann die Holzfeuchte auch über die Masse einer Probe vor und nach vollständiger Trocknung bestimmt werden.
Ist möglichst trockenes Holz immer besser?
Nein. Entscheidend ist nicht ein möglichst niedriger Wert, sondern ein Feuchtezustand, der zur Verarbeitung und den späteren Einsatzbedingungen passt.
Warum kann Holz bei Feuchteänderungen reißen?
Feuchteunterschiede können unterschiedliche Maßänderungen und Spannungen innerhalb eines Werkstücks verursachen. Risse können dadurch begünstigt werden. Ihre Ursache muss jedoch immer im Zusammenhang mit Holzart, Wuchs, Konstruktion und Nutzung betrachtet werden.
Verändert sich die Holzfeuchte eines fertigen Schneidebrettes?
Ja. Auch verarbeitetes Massivholz bleibt hygroskopisch und kann auf Veränderungen seiner Umgebung beziehungsweise direkten Wasserkontakt reagieren.
Fazit: Die Holzfeuchte beginnt vor der eigentlichen Verarbeitung
Ein gutes Massivholzprodukt beginnt nicht erst beim Zuschnitt oder Schleifen.
Schon der Feuchtezustand des Ausgangsmaterials beeinflusst, wie das Holz anschließend verarbeitet werden kann und wie es später auf seine Umgebung reagiert.
Holz versucht sich langfristig an die klimatischen Bedingungen seiner Umgebung anzupassen. Dabei kann es Feuchtigkeit aufnehmen oder abgeben und seine Abmessungen verändern.
Deshalb gehören Trocknung, Kontrolle der Holzfeuchte und die Beurteilung des Materials zu den Grundlagen der Verarbeitung von Massivholz.
Im nächsten Teil unseres Werkstattwissens beschäftigen wir uns mit dem Schritt, bei dem aus mehreren vorbereiteten Holzstücken eine gemeinsame Konstruktion entsteht: Holz richtig verleimen.
